Der Zusammenhang von Sturzgefahr und Inkontinenz bei geriatrischen Patienten

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Der Zusammenhang von Sturzgefahr und Inkontinenz bei geriatrischen Patienten

Incontinence concept. Man wants to pee and is holding his bladder.

Innerhalb eines Jahres erleiden ein Drittel der über 65-jährigen und 45 Prozent der über 75-jährigen einen Sturz. Die Folgen eines Sturzes können sich negativ auf die Gesundheit, Lebensqualität und Selbstständigkeit geriatrischer Patienten auswirken.

Die Sturzgefahr kann durch eine Urin-Inkontinenz erhöht werden. Inkontinenz ist bei älteren Personen relativ hoch verbreitet: 35% der Frauen und 10% der Männer über 65 Jahren leiden unter Urin-Inkontinenz. Dabei unterscheidet man zwischen einer Belastungs-Inkontinenz, Drang-Inkontinenz und deren Mischform.

Studien belegen, dass in erster Linie eine Drang-Inkontinenz das Sturzrisiko erhöht. Kennzeichnend für eine Dranginkontinenz ist ein so plötzlicher starker Harndrang, dass es den Betroffenen oft nicht mehr rechtzeitig gelingt die Toilette zu erreichen und es so zu einem unfreiwilligen Urinverlust kommt.

Gründe für eine Drang-Inkontinenz können ganz verschiedener Natur sein, häufig verursacht durch lokale entzündliche Prozesse wie bei einer Blasenentzündung, Übergewicht, Diabetes mellitus oder durch neurologische Erkrankungen (z. Bsp. Alzheimer-Krankheit, Multiple Sklerose, Parkinson-Krankheit oder Schlaganfall).

Diesbezüglich sollten geriatrische Therapieeinrichtungen bei jedem Patienten abklären ob eine Urininkontinenz vorhanden ist und um welche Art es sich handelt. Sturzpräventionsprogramme wie sie bei Zitha-Aktiv angeboten werden, sind eine zusätzliche Maßnahme neben einer medikamentösen Therapie, um einer Urininkontinenz entgegenzuwirken.

Das Beckenboden-Training oder auch Beckenbodengymnastik genannt gilt als bewährte Therapie um die Symptome einer Inkontinenz zu mildern. Dieses Training kann in Gruppen als auch individuell stattfinden und wird von geschultem Fachpersonal, meistens Physiotherapeuten-/innen durchgeführt.

Der Beckenboden trägt zur Stabilisierung der Blase im Becken bei und unterstützt somit die Kontrolle und die Steuerung des Urindrangs.

Auch wenn man eine Urin-Inkontinenz nicht vollständig heilen kann, so hilft das Beckenboden-Training in vielerlei Hinsicht. Patienten lernen ihren Beckenboden wieder wahrzunehmen und anzusteuern. Dies hilft den Urindrang frühzeitig wahrzunehmen und entsprechend „einzuhalten“ bis man sicher auf einer Toilette sitzt.

So bildet das Beckenboden-Training eine wichtige Rolle in der Sturzprävention und sollte in allen Sturzpräventionsprogrammen einen festen Bestandteil bilden.

 

Literatur

 

Chiarelli, P. E., Mackenzie, L. A., & Osmotherly, P. G. (2009). Urinary incontinence is associated with an increase in falls: a systematic review. Australian Journal of Physiotherapy, 55(2), 89-95.

 

Riemsma, R. et al. (2017). Can incontinence be cured? A systematic review of cure rates. BMC Medicine

Bø, K. (2004). Pelvic floor muscle training is effective in treatment of female stress urinary incontinence, but how does it work?. International Urogynecology Journal, 15(2), 76-84.

 

Takazawa, K., & Arisawa, K. (2005). Relationship between the type of urinary incontinence and falls among frail elderly women in Japan. The Journal of Medical Investigation, 52(3, 4), 165-171.