Differentialdiagnose in der Therapie; Nierenprobleme und Leistenschmerz

Image of a woman in a white dress and 3d model of the kidneys between her hands. Concept of healthy kidneys and organ donation.

Die Niere ist ein paarig angelegtes Bauchorgan, das für sehr viele wichtige körperliche Prozesse zuständig ist.

 

Nierenprobleme können sehr vielseitig sein. Oft bemerken Patienten eine Dysfunktion der Nieren nicht, da die Symptome nicht unbedingt auf eine Nierenerkrankung hindeuten müssen. Unspezifische Symptome wie Blutdruckbeschwerden, Schweregefühl der Beine, Übelkeit, Wassereinlagerungen, unregelmäßiger Herzschlag oder Kopfschmerzen können auftreten.

 

Nierenprobleme müssen sich zudem nicht mit Schmerzen der Organe selbst äußern. Sie können interessanterweise Schmerzen oder Funktionseinschränkungen in anderen Körperarealen verursachen, die man so nicht mit den Nieren in Verbindung bringen würde.

 

Ein Beispiel hierfür ist der sogenannte „Referred Pain“; der übertragene Schmerz. Unter einem übertragenen Schmerz versteht man einen Schmerz, der an einer anderen Stelle wahrgenommen wird als am Auslösungsort.

 

Nierenprobleme können sich demnach typischerweise an der Flanke als Rückenschmerzen äußern, sich jedoch auch in der Leistengegend bemerkbar machen. Dies kommt vor allem wegen der Lage der Nieren im Bauchraum zustande. Diese befinden sich unmittelbar eng an den Nerven anliegend, die unsere Leistengegend sensibel innervieren.

 

So können raumfordernde, oder entzündliche Prozesse der Nieren einen negativen Einfluss auf umgebende Strukturen nehmen (Muskeln, Nerven, Faszien etc.).

 

Körperareale die schmerzhaft sind aufgrund organischer Dysfunktionen oder Erkrankungen werden „Head-Zonen“ genannt.

 

Für die Nieren ist dies die Leistenregion.

 

Das bekannteste Beispiel für eine Head-Zone ist der Schmerz im Arm bei einem Herzinfarkt. Um keine möglichen „stummen“ Erkrankungen zu übersehen und eine sichere Behandlung zu garantieren werden Physiotherapeuten diesbezüglich in der physiotherapeutischen Differentialdiagnose ausgebildet, d.h. sie bedienen sich verschiedener physiotherapeutischen Diagnoseverfahren um die Problematik des Patienten zu überprüfen und überweisen ggf. den Patienten an einen Arzt zur weiteren Abklärung.

 

Wichtigstes Kriterium für eine Therapie ist die Patientensicherheit und das frühzeitige Erkennen von Erkrankungen die sich oft “versteckt“ oder „getarnt“ im Körper aufhalten können.

 

Pierre AHLEN

Kinésithérapeute