Gleichgewichtstraining im therapeutischen Garten

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Stürze sind eine ernst zu nehmende Gefahr für die alternde Bevölkerung. Etwa 1/3 der Personen über 65 Jahre stürzen 1x oder öfter pro Jahr, wobei das Risiko sich mit steigendem Alter (>85 Jahre) in etwa verdoppelt.

Von diesen Stürzen enden ca. 10% in einem Knochenbruch. Oft verletzen sich die betroffenen Personen an der Hüfte und müssen zur weiteren Behandlung ins Krankenhaus. Das hat vor allem Schmerzen und eine reduzierte Funktionsfähigkeit zur Folge, sowie Kosten für das Gesundheitssystem und den Privathaushalt. Aber auch mit psychischen Konsequenzen ist zu rechnen. Viele Betroffene entwickeln eine große Angst erneut zu stürzen und verlieren ihr Selbstvertrauen. Diese Unsicherheit kann leicht zu einem weiteren Sturz führen. Es bildet sich ein Teufelskreis, der eine reduzierte Lebensqualität und enorme Einschränkung der Aktivitäten des täglichen Lebens und einen Verlust der Selbstständigkeit verursachen kann.

Besonders häufig passieren Unfälle im privaten Umfeld beim Gehen oder Treppe auf- und absteigen. Deswegen ist es besonders wichtig präventive Maßnahmen zu ergreifen, damit es erst gar nicht zu einem Sturz kommt. Dabei unterscheidet man zwischen primärer Prävention, also dem Vermeiden eines ersten Sturzes, und sekundärer Prävention, dem Vermeiden weiterer Stürze und dem Unterbrechen des oben genannten Teufelskreises.

Ein präventives Trainingsprogramm hat vor allem das Ziel, die Risikofaktoren für einen Sturz zu reduzieren. Gang- und Gleichgewichtsprobleme, visuelle Einschränkung eine geringe Beinkraft, vorangegangene Stürze und kognitive Einschränkungen, wie es bei einer Demenz zu sehen ist, sind nur einige der vielen Risikofaktoren.

Das Training kann in Gruppen oder als Einzeltraining durchgeführt werden. Dabei werden vor allem Übungen zur Kräftigung der Muskulatur, Ausdauer, Flexibilität und Gleichgewichtsübungen durchgeführt. Bei einem Gleichgewichtstraining geht es darum, seine Balance unter erschwerten Bedingungen halten zu können, in Anlehnung an alltagsrelevante Bewegungen. Zum Beispiel Gehen über verschiedene Bodenbeläge, Stehen auf einem Bein oder das Überwinden von Hindernissen.

Hier hat sich auch der Therapieweg als hilfreiches Mittel herausgestellt. Im Garten der Seniorie St Jean de la Croix Luxembourg gelegen, eignet sich dieser hervorragend zum Trainieren des Gleichgewichtes, da er die vielen Schwierigkeiten beim Gehen auf freier Strecke nachahmt (z.B. Waldwege, Feldwege, Straßen und Wiesen). In verschiedene Abschnitte unterteilt, gibt es die unterschiedlichsten Bodenbeläge, sowie Treppenstufen und Hindernisse, die es zu überwinden gilt. Da der gesamte Weg mit einem Geländer versorgt ist, ist er besonders sicher; gerade für die älteren Menschen, die noch unsicher sind und Angst haben. Innenliegend bietet eine Rasenfläche außerdem genügend Platz, um im Schatten der Bäume, Kräftigungs- und Mobilisationsübungen durchzuführen.

Der Therapieweg ist einer von vielen Möglichkeiten präventiv gegen Stürze zu arbeiten. Hauptaugenmerk sollte aber immer auf einem generell aktiven Lebensstil liegen, in welchem man Spaß an Bewegung findet.

Lea KOTTMANN

Kinésithérapeute

 

Quellen:

Chittrakul, J. (2020, 29. April). Multi-System Physical Exercise Intervention for Fall Prevention and Quality of Life in Pre-Frail Older Adults: A Randomized Controlled Trial. MDPI. https://www.mdpi.com/1660-4601/17/9/3102/htm

Pillay, J. et al. (2021, 9. Januar). Fall prevention interventions for older community-dwelling adults: systematic reviews on benefits, harms, and patient values and preferences – Systematic Reviews. BioMed Central. https://systematicreviewsjournal.biomedcentral.com/articles/10.1186/s13643-020-01572-7

Racey, M., et al. (2021, 10. Dezember). Fall prevention in community-dwelling adults with mild to moderate cognitive impairment: a systematic review and meta-analysis – BMC Geriatrics. BioMed Central. https://bmcgeriatr.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12877-021-02641-9